Kannst du alle(s) verstehen?

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Worum geht's

Preisgekrönte Dokumentation und Portrait-Reihe: Asylwerbende und Geflüchtete in Salzburg, die gerade Deutsch lernen, sprechen über sich selbst, ihre Geschichte, ihre Hoffnungen. Direkt, ungeschnitten, mit den eigenen Worten - mit allem, was schon klappt, und allem, was noch fehlt.

Aqid aus Syrien

20 Jahre, Computer- und Technik-Student, seit 11 Monaten in Salzburg, wohnt in Liefering. Hat in Damaskus Programmieren / Automation studiert, möchte das hier weitermachen, braucht dafür voraussichtlich Deutsch-Niveau D1. „Sehr schwierig." Familie (Mutter Lehrerin, Vater Ingenieur, drei Geschwister) ist noch in Syrien. „Ich hoffe, dass der Krieg endet sehr nahe, um zurück zu meiner Familie."

Taha aus Syrien

29 Jahre, verheiratet, Sohn Sayed (jetzt 8 Monate alt - „leider habe ich nicht gesehen"). Seit 10 Monaten in Österreich. Beruf: Anästhesie-Pfleger, 6 Jahre im staatlichen Krankenhaus in Damaskus. Hat sich freiwillig in sein Heimatdorf Deir ez-Zor verlegen lassen, weil dort dringend Anästhesisten gebraucht wurden - bis sein Dorf von Terror-Kontrolle übernommen wurde. Macht in Salzburg bereits Praktika beim Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und in der Diakonie (Operationssaal, Sivstation, Altenpflege). Möchte später bei den Barmherzigen Brüdern arbeiten - „diesem Land etwas zurückgeben".

Muannad Hafiz aus dem Sudan

Aus Darfur, im Westen Sudans - dort herrscht seit 13 Jahren Bürgerkrieg. Im Sommer ein kleines Geschäft, im Herbst Bauer auf den Familienländereien. Hat Haus und Geschäft verloren, ist erst in die Hauptstadt geflohen, dann zwei Jahre in eine Stadt im Osten Sudans, schließlich nach Österreich. Seit zehn Monaten in Salzburg. Wünscht sich Salam (Frieden) für den Sudan und für sich selbst.

Sadiq Al-Zahada aus Afghanistan

21 Jahre, aus Ghazni; Familie lebt noch in einem Dorf namens Nahur. Sprache: Dari. Seit 35 Jahren Krieg in Afghanistan; sein Leben war von den Taliban bedroht. Mit 13 ist er allein in den Iran geflohen - dort drei Jahre in einer Plastikfabrik, vier Jahre in einer Lederfabrik, fünf Monate als Tischler gearbeitet. Seit zehn Monaten in Österreich, in der Münchner Bundesstraße 117 in Salzburg. Besucht jeden Tag einen Deutschkurs an der Volkshochschule und hilft freitags als Sprachträger:in mit. „Ich möchte nicht nur überleben, sondern einfach leben. Seit meiner Geburt habe ich in Angst gelebt. Nach 21 Jahren überleben möchte ich endlich leben." Zukunftswunsch: positiver Asylbescheid, eine Ausbildung als Tischler, perfekt Deutsch sprechen, ehrenamtlich anderen Flüchtlingen helfen, eine eigene Familie in Frieden.

Was die Untertitel im Video erklären

Während die Protagonist:innen in ihrer Muttersprache sprechen, werden im Video deutsche Untertitel eingeblendet - sie sind aber nicht nur Übersetzung, sondern auch eingebaute Kontext-Erklärungen, die einen erleben lassen, wie hilflos man ist, wenn man eine Sprache plötzlich hört und nichts versteht.

Darüber hinaus erklären die Untertitel:

  • Wie Deutschkurse in Salzburg ablaufen - Stunden pro Woche, wie lange bis Niveau A2 / B1, welche Trägerorganisationen.
  • Die Flucht selbst - die Wege, die Etappen, was unterwegs passiert.
  • Wie man unterwegs „Chunks" anderer Sprachen aufschnappt - ein bisschen Englisch da, ein paar Brocken Türkisch oder Griechisch dort - die typischen Transit-Sprachen.
  • Die Erstaufnahme-Gespräche in Österreich - was passiert in welchem Termin, wer ist dabei, welche Fragen.
  • Die möglichen Ergebnisse des Asylverfahrens:
    • Asylstatus - Konventionsflüchtling nach Genfer Flüchtlingskonvention
    • Subsidiärer Schutz - befristeter Schutz, wenn kein voller Asylgrund aber Rückkehr unzumutbar (z. B. Bürgerkrieg, Folter)
    • Duldung - keine Anerkennung, aber Abschiebung praktisch nicht möglich
    • Negativbescheid → Abschiebung

Botschaft

Alle vier Sprecher:innen betonen dasselbe: sie wollen helfen, arbeiten, lernen. Sie wollen Familie wiedersehen. Sie wollen verstanden werden, auch wenn die Sprache noch nicht perfekt sitzt. Und sie wollen „nicht nur überleben, sondern leben".